Kurz gesagt: Sie brauchen keine Programmierkenntnisse, um eine App programmieren zu lassen. Sie brauchen ein klares Ziel, einen passenden Anbieter und ein Angebot, das Sie mit anderen vergleichen können. Dieser Leitfaden hilft bei der Auswahl: welche Anbieter es gibt, welche Fragen Sie stellen, worauf Sie bei Angebot, Vertrag und Kosten achten und was Sie für die Anfrage vorbereiten.
Vor der Anfrage: Ziel und Umfang klären
Formulieren Sie in drei Sätzen, welches Problem die App löst, für wen und woran Sie Erfolg messen. „Eine App für unsere Kunden“ ist kein Ziel; „Unsere Kunden buchen Termine selbst, ohne anzurufen, und wir sparen zehn Telefonate am Tag“ ist eines. Notieren Sie außerdem, was es schon gibt: Website, Kundendaten, Excel-Listen, bestehende Systeme.
Legen Sie auch fest, was die erste Version ausdrücklich nicht können muss. Je klarer diese Grenze ist, desto genauer werden die Angebote. Wie Sie den Umfang sinnvoll begrenzen, zeigt der Ratgeber MVP planen: Was gehört in die erste Version Ihrer App?
Freelancer, Studio oder Agentur?
Die Größe eines Anbieters sagt wenig über die Qualität. Achten Sie auf drei Dinge: Wer arbeitet tatsächlich an Ihrem Projekt? Zeigt der Anbieter nachvollziehbare Arbeiten und sagt ehrlich, was davon Konzept und was Kundenprojekt ist? Und nennt er Preise, bevor Sie fragen müssen?
- Freelancer arbeiten oft direkt mit Ihnen. Fragen Sie, wer übernimmt, wenn die Person krank oder im Urlaub ist, und wer Design, Tests und Veröffentlichung abdeckt.
- Studios und Entwicklungsteams verbinden mehrere Fachleute. Fragen Sie, wer Ihr fester Ansprechpartner ist und wer die Umsetzung prüft.
- Agenturen bringen Projektleitung und größere Teams mit. Das schlägt sich im Preis nieder: App-Agenturen rechnen in Deutschland meist 100–160 € pro Stunde [S11], IT-Freelancer aller Fachrichtungen im Schnitt 101–103 € [S2] [S3], jeweils netto.
Der Stundensatz allein sagt wenig über den Preis Ihres Projekts. Was die Spannen bedeuten, erklärt der Ratgeber Stundensätze in der App-Entwicklung. Fragen, die Sie jedem Anbieter stellen sollten:
- Wer ist mein Ansprechpartner, und wer setzt das Projekt um?
- Wie läuft die Zusammenarbeit: Zwischenstände, Testversionen, Rückmeldungen?
- Was kostet welche Phase, und wie werden Änderungen behandelt?
- Gehören mir Quellcode, Design und Zugänge nach der Bezahlung?
- Was passiert nach dem Release: Gibt es Betreuung, und was kostet sie?
Angebote vergleichen: worauf es ankommt
Zwei Angebote lassen sich nur vergleichen, wenn sie denselben Umfang beschreiben. Legen Sie die Angebote nebeneinander und prüfen Sie diese Punkte:
- Leistungsumfang. Welche Bildschirme, Funktionen und Plattformen sind enthalten, und was steht ausdrücklich unter „Nicht enthalten“?
- Fremdkosten. Wer trägt Store-Gebühren, Hosting, Domain und Lizenzen? Das Apple Developer Program kostet 99 US-Dollar pro Jahr, die Google Play Console 25 US-Dollar einmalig. Diese Konten sollten auf Ihren Namen laufen.
- Preisform. Ist es ein Festpreis für ein beschriebenes Ergebnis oder eine Schätzung nach Stunden?
- Änderungen. Wie werden Wünsche während des Projekts geschätzt, freigegeben und berechnet?
- Zahlungsplan. Welche Beträge werden wann fällig, und woran sind sie gebunden?
- Abnahme. Wie und in welcher Frist prüfen Sie das Ergebnis?
- Übergabe. Wann erhalten Sie Quellcode, Zugänge und Nutzungsrechte?
- Betreuung nach dem Start. Was kosten Updates und Wartung, und ist die Betreuung kündbar? Welche Posten nach dem Release anfallen, zeigt der Ratgeber Laufende Kosten einer App oder Website.
Fehlt einer dieser Punkte, fragen Sie vor der Beauftragung nach. Ein niedriger Preis mit vielen offenen Punkten kann im Projekt teurer werden als ein höherer Preis mit klarer Beschreibung.
Vertrag: Festpreis oder Stundensatz
Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Beim Festpreis schuldet der Anbieter meist ein Ergebnis (Werkvertrag, § 631 BGB), bei der Abrechnung nach Stunden meist die Tätigkeit (Dienstvertrag, § 611 BGB). Entscheidend ist, was im Vertrag als geschuldet vereinbart ist. Lassen Sie sich Quellcode und Nutzungsrechte ausdrücklich zusagen: Ohne ausdrückliche Regelung erhalten Sie nur die Rechte, die der Vertragszweck erfordert (§ 31 Abs. 5 UrhG).
Wann welches Modell passt, welche Risiken beide Seiten tragen und was Abnahme und Gewährleistung bedeuten, erklärt der Ratgeber Festpreis oder Stundensatz? Werk- und Dienstvertrag erklärt.
Was eine App kostet
Klassische Anbieter nennen für einfache Apps 5.000–15.000 € [S15] und für ein MVP mit Backend 15.000–50.000 € [S10] [S11] [S12]. Bei uns kostet App Start ab 1.000 € netto (1.190 € inkl. 19 % USt.): eine Plattform, ein Kernablauf, ohne Benutzerkonten und ohne eigenen Server. Die MVP-App mit Backend kostet 3.000–8.000 € netto (3.570–9.520 € inkl. 19 % USt.).
Was den Preis treibt, zeigt der Ratgeber Was kostet eine App-Entwicklung? mit Marktspannen und drei Rechenwegen. Eine unverbindliche Spanne für Ihr Vorhaben zeigt der Kostenrechner.
Ihre Rolle im Projekt
Auch wenn Sie nicht selbst programmieren, entscheiden Sie mit. Sie beantworten Rückfragen zum Konzept, probieren die Testversionen aus und geben innerhalb weniger Tage Rückmeldung. Zum Schluss prüfen Sie das Ergebnis bei der Abnahme anhand der vereinbarten Funktionsliste. Führen Sie dazu eine Liste mit Wünschen und trennen Sie „muss vor dem Release“ von „kann später“. So bleiben Zeitplan und Budget stabil.
Was in jeder Phase passiert, was Sie beitragen und wie lange es dauert, beschreibt der Ratgeber Ablauf einer App-Entwicklung: von der Idee bis zum Release.
Checkliste für die Anfrage
- Problem, Zielgruppe und Erfolgsmaß in drei Sätzen
- Die drei wichtigsten Funktionen, und was ausdrücklich nicht in die erste Version muss
- Was es schon gibt: Website, Daten, Systeme, eine alte App
- Plattformen: iOS, Android, Browser, oder noch offen?
- Zeitrahmen und Budgetrahmen, auch wenn beides nur grob ist
- Wer bei Ihnen entscheidet und wer testet
Diese Angaben helfen uns, Ihren Wunsch zu verstehen und offene Fragen gezielt zu klären. Eine kurze Vorlage finden Sie im Ratgeber Projektbriefing schreiben. Wenn Sie so weit sind: App-Projekt anfragen.